Immerkind Heidesee

freie demokratische Schule

Unser Kurzkonzept

Die Idee der Immerkinder

Wir sind neun Gründungsmitglieder, Einheimische und Neu-Heideseer, Eltern und Großeltern, mit unterschiedlichen Lebenswegen und beruflichen Hintergründen und dem gleichen Ziel: Uns hat der Wunsch zusammengeführt unserem Nachwuchs eine Alternative zur Regelschule zu bieten. So haben wir uns im Frühjahr 2019 zusammen gefunden und wachsen und verändern uns seitdem stetig. Unser Traum ist eine freie Schule, in der Kinder so lernen und sein können, wie sie es möchten. Ebenso ist es unser Ziel, einen Lernort zu schaffen, der ihnen Sicherheit und Vertrauen entgegen bringt, mit der Annahme das Kinder nicht „beschult“ werden müssen, sondern sich aus eigenem Antrieb entfalten, sich selbst entdecken und die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse aneignen, die sie auf ein selbstbestimmtes, glückliches und sinnerfülltes Leben vorbereiten. Die Freiheit jedes Einzelnen steht für uns im Vordergrund und wird von den Lernbegleitern respektiert durch das Ermöglichen des selbstbestimmten, freien Lernens.

Freies Lernen ist kein einzelnes pädagogisches Konzept, sondern eine ganze Strömung verschiedener Ansätze. Unsere Schule soll daher nicht einem einfachen, starren Konzept folgen, sondern Vielfalt durch bewährte Elemente aus verschiedenen Ansätzen abbilden und auch in Zukunft offen dafür bleiben, neue Erkenntnisse und Ansätze zu integrieren. Die Basis unserer Ansätze bilden die vielfach bewährten Ansätze und entwicklungspsychologischen Erkenntnisse von Jean Piaget, Gerald Hüther, Rebecca Wild und Jesper Juul.


Jean Piaget ging davon aus, dass Kinder natürliche Entdecker sind, die im aktiven Umgang mit ihrer Umgebung Verständnisstrukturen entwickeln. Dabei durchlaufen sie verschiedene Entwicklungsphasen, die von außen nicht beeinflusst werden können.

„Jedes Mal, wenn wir einem Kind etwas frühzeitig beibringen, das er später für sich selbst hätte entdecken können, wird diesem Kind die Chance genommen, es selbst zu erfinden und es infolgedessen vollkommen zu verstehen.“

(Jean Piaget, Schweizer Psychologe, 1896 – 1980)


Gerald Hüther ist ein deutscher Hirnforscher, der sich intensiv mit dem Lernen beschäftigt hat und als Folge seiner Erkenntnisse einer der bekanntesten Fürsprecher des selbstbestimmten Lernens geworden ist. Er beschreibt, wie Druck, Angst oder auch Belohnung zu einer Blockierung der Lernprozesse führen, während angstfreies Lernen gemäß der eigenen Interessen zu den besten und langfristigsten Lernerfolgen führt. Nur was der Mensch selbst für sinnvoll hält, das, was ihn neugierig macht, wird er langfristig behalten. Von außen initiierte Lernprozesse hingegen, erreichen allenfalls das Kurzzeitgedächtnis. Seiner Ansicht nach, sollte Schule dem Kind vor allem zwei Bedürfnisse erfüllen: Das Bedürfnis nach emotionaler Verbundenheit und das Bedürfnis nach Wachstum. Wenn Lernende gefordert, aber nicht überfordert sind und so ständig wachsen, kann sich ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln.

 „Eigentlich braucht jedes Kind drei Dinge: Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt.“

(Gerald Hüther, Neurobiologe, *1951)


Rebeca Wild erweiterte das Konzept Maria Montessoris („inspirierende Lernumgebung“) um den Grundsatz der nicht-direktiven Begleitung – die Lernbegleiter sollen ihrer Ansicht nach so wenig wie möglich in den Lernprozess des Kindes eingreifen und statt dessen vor allem die Stärken und Interessen des Kindes fördern. Ziel ist es, die Kinder vom Erwartungsdruck der Erwachsenen zu befreien, und sie so umfassend wie möglich ihren eigenen authentischen Bedürfnissen und der natürlichen Entwicklung folgen zu lassen. Sie geht davon aus, dass nur konkretes Erleben, das mit Bewegung und Sinnlichkeit verbunden ist und das der Organismus aus eigenem Interesse eingeht, den Aufbau von komplexen Gehirnstrukturen und damit ein wirklich ganzheitliches Verstehen bewirkt. Wenn Inhalte nur auswendig gelernt werden, ist es später hingegen viel schwieriger zu einem solchen echten Verständnis zu kommen, das nicht nur aufgesagt, sondern kreativ angewendet werden kann.

„Die harmonische Entfaltung von Kindern ist ein natürlicher und darum langsamer Prozess. Unsere Aufgabe ist es, die rechten Bedingungen dafür zu schaffen, aber nicht, den Prozess zu beschleunigen. Bringen wir es als Erwachsene fertig, diese inneren Prozesse nicht durch unsere Ungeduld zu stören, sondern ihnen den nötigen Nährstoff zu liefern, so lernt das Kind auf eigenen Füssen zu stehen und nicht sein Leben lang von äußerer Führung abhängig zu sein.“

(Rebeca Wild, Pädagogin, 1939 - 2015)


Jesper Juul hat eine neue Qualität des Lehrens und Lernens in den Blickwinkel genommen und wesentliche Fachbücher dazu verfasst (u.a. „Dein kompetentes Kind“), diese sind als Grundlage für die Beziehung bzw. das Miteinander in Schulen anzusehen. Grundbegriffe dieses Ansatzes sind das Augenmerk auf Integrität, persönliche Verantwortung, Authentizität, Gleichwürdigkeit und Respekt.

„Kinder haben kein Bedürfnis, Lob zu bekommen. Sie haben das Bedürfnis, gesehen und anerkannt zu werden.“

(Jesper Juul, Familientherapeut, 1948 - 2019)

Diese und andere Persönlichkeiten und Ideen nehmen wir uns als Leitbilder und haben daraus folgende wichtige Grundsätze für unsere Schule entwickelt:


Soziokratie

Schule ist für uns ein Ort der gelebten Demokratie, hier wird eine gemeinschaftliche Selbstverwaltung stattfinden:  Alle Mitglieder unserer Schule werden gleiches Gestaltungs- und Mitspracherecht haben. In den wöchentlich stattfindenden Schulversammlungen werden alle Belange der Schule besprochen und entschieden. In der soziokratischen Gemeinschaft gibt es keine Mehrheitsentscheide, sondern es wird so lange miteinander gesprochen bis jeder Einzelne überzeugt ist, es wird so lange nach Kompromissen gesucht, bis alle die Entscheidung mittragen können. Die Schulversammlung entscheidet auch über Regeln für ein respektvolles, gemeinschaftliches Zusammenleben. In einem Klärungskreis werden ungelöste Konflikte im Alltag und Regelmissachtungen miteinander besprochen.

Bindung/ Beziehung/ Gemeinschaft

Wir wünschen uns in unserer Schule eine individualisierte Gemeinschaft (Hüther), in der es auf jedes einzelne Mitglied ankommt, wo jeder Einzelne, die in ihm angelegten Begabungen entfalten und mit seinen besonderen Fähigkeiten zur Entfaltung, der in dieser Gemeinschaft verborgenen Potenziale, beitragen kann. Vertrauen in die Schüler*innen, respektvoller Umgang und die Verbundenheit untereinander verstehen wir als unsere Basis. Eine sichere Bindung und gleichwürdige Beziehung sehen wir als Voraussetzung für das freie Lernen und Entfalten.

Freies Lernen

Wir vertrauen auf die Fähigkeit des Menschen, seine Bildung und Entwicklung eigenständig zu planen und zu gestalten. Die Schüler*innen entscheiden selbst, was, wie, wann und wo sie lernen und mit wessen Hilfe. Die Lernbegleiter*innen stehen den Kindern dabei zur Seite und unterstützen sie in ihren Ideen. Lerngelegenheiten werden durch die Schüler*innen selbständig und gemeinschaftlich organisiert, die Teilnahme ist dabei immer freiwillig. Freies Lernen bedeutet dabei auch, frei von Bewertung von außen zu sein. Die Schüler*innen lernen, ihre eigenen Leistungen und Fortschritte selbst zu erkennen. Eigene Zielformulierungen und selbst eingeforderte Reflexionsgespräche durch Lernbegleiter*innen können sie dabei unterstützen. Aufgabe der Schule und der Lernbegleiter*innen wird es sein, eine anregende Umgebung zu schaffen, die neugierig macht und die verschiedenen Bedürfnisse berücksichtigt.

Inklusion

Die freie demokratische Schule Heidesee soll eine „Schule für alle“ sein. Inklusion meint die gemeinsame Beschulung aller Kinder in all ihrer Unterschiedlichkeit. Dies bedeutet für uns, jeden Menschen als besonders und einzigartig zu sehen, ihn mit seinen individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wünschen und Emotionen anzunehmen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen und zu pflegen.

Bewegung

Wir sehen Bewegung als existentielles Bedürfnis an, welches Kinder jederzeit befriedigen können sollten. Kinder, die sich viel bewegen sind glücklicher und ausgeglichener. Außerdem können sie sich besser konzentrieren und sind erfindungsreicher und kreativer. Das bewegte Lernen und Bewegung als Pause und Ausgleich sind uns im Schulalltag sehr wichtig.

Naturnähe

Wir achten und wertschätzen die Natur als unsere Lebensgrundlage und sehen die Natur als wichtigen Lernort an. Ein Großteil der Schulzeit soll daher draußen und mit der Natur stattfinden, wodurch Lernen mit allen Sinnen ermöglicht wird.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Im Schulalltag wird es Angebote geben, in denen sich die Schüler ökologische, ökonomische und soziokulturelle Strukturen und Zusammenhänge erschließen können und dadurch ein ganzheitliches Bewusstsein als Grundlage nachhaltiger Handlungsfähigkeit erlangen können. Dabei werden wir uns am Leitfaden Bildung für Nachhaltigkeit vom Land Brandenburg (https://www.bne-brandenburg.de/) orientieren.

Regionale Verankerung

Unsere Schule soll kein in sich geschlossenes System darstellen, sondern will sich nach außen öffnen: Wir wünschen uns für die Schüler*innen außerschulische Lernorte und –gelegenheiten, z.B. Einrichtungen und Organisationen in Heidesee und Umgebung. Wir streben Kooperationen u.a. mit Seniorenheimen, KiEZen, Handwerksbetrieben und Naturhöfen an.

Organisatorische Grundlagen

Die Schule wird als staatlich genehmigte Ersatzschule beantragt. Die Schule in Heidesee wird eine Oberschule mit integrierter Grundschule, mit Hortbetreuung werden. Es soll eine familiäre Schule mit voraussichtlich 60 Schüler*innen werden, wobei die Anzahl der Schüler*innen in den Anfangsjahren variabel gestaltet wird. Die Eröffnung der Schule ist für das Schuljahr 2021/22 mit Kindern verschiedener Altersstufen geplant. Dabei gibt es für die Schüler*innen je nach Altersstufe eine unterschiedliche Anzahl an Wochenstunden. Es wird eine Kernzeit für die Anwesenheit der Schüler*innen geben, wobei die Anfangs- und Endzeiten flexibel gestaltet werden können. Die Betreuungszeit wird zwischen 7:00 – 17:00 Uhr gegeben sein. Träger der freien demokratischen Schule Heidesee ist der Verein Immerkind Heidesee.